Sozio-ökonomische Begleitforschung

Die Thünen-Institute für Ländliche Räume und Betriebswirtschaft begleiten das Projekt aus sozioökonomischer Sicht. Hierzu zählt neben der Entwicklung wirtschaftlich überzeugender Konzepte auch die Identifizierung von Hemmnissen im Agrar- und Umweltrecht, welche die Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen in den landwirtschaftlichen Betrieben bisher verhindern. Die Ergebnisse aus der Maßnahmenumsetzung sollen auch dazu dienen, die bestehenden ordnungs- und förderrechtlichen Instrumente weiterzuentwickeln und Impulse für die künftige Gestaltung der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) und der Agrarumweltprogramme der Bundesländer zu liefern.

Folgende Aspekte werden durch die Thünen-Institute untersucht:

Hindernisse und Perspektiven zur Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen

Ziel von F.R.A.N.Z. ist es, mittel- und langfristig möglichst viele landwirtschaftliche Betriebe für die Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen zu gewinnen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss geklärt werden, was aus Sicht der Landwirte für oder gegen die Umsetzung solcher Maßnahmen spricht. Die vom Thünen-Institut für Ländliche Räume erarbeitete „F.R.A.N.Z.-Studie - Hindernisse und Perspektiven für mehr Biodiversität in der Agrarlandschaft“ liefert wichtige Erkenntnisse und Ansatzpunkte, die über die Umsetzung von Maßnahmen im Rahmen von Agrarumweltprogrammen entscheiden.  Die F.R.A.N.Z.-Studie wurde im September 2017 an die Staatssekretäre Dr. Hermann-Onko Aeikens, Bundeslandwirtschaftsministerium, und Jochen Flasbarth, Bundesumweltministerium, übergeben, um die Ergebnisse in die Weiterentwicklung der Agrar- und Umweltpolitik einfließen zu lassen. Im weiteren Verlauf des F.R.A.N.Z.-Projektes sollen die in der Studie aufgezeigten Optimierungspotenziale bei der Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen weiter ausgearbeitet werden.

Berechnung der Maßnahmenkosten

Die Umsetzung von Biodiversitätsmaßnahmen wirkt sich nicht nur auf die Biodiversität aus, sondern auch auf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe. Im Rahmen des Projektes werden die Kosten, die den Betrieben im Zuge der Maßnahmenumsetzung entstehen, mittels ausführlichen Datenerhebungen genau ermittelt und soweit möglich über Agrarumweltprogramme, Greening oder Kompensationsmaßnahmen vergütet. Sollten diese Programme nicht greifen, werden Projektgelder für die Umsetzung der Maßnahmen eingesetzt. Die Berechnung der Maßnahmenentgelte erfolgt für jeden Betrieb individuell analog zur Kalkulation der Prämien für die Teilnahme an Agrarumwelt- und Klimaschutzmaßnahmen wie sie die Bundesländer anbieten.

In die Berechnung der Maßnahmenkosten, welche vom Thünen-Institut für Betriebswirtschaft vorgenommen wird, fließen folgende Parameter ein:

  • die Erlösverluste, die entstehen, da die Fläche aus der normalen Produktion genommen wird
  • Einsparung von Kosten, die bei der normalen Produktion entstehen und im Zuge der Maßnahmenumsetzung entfallen, wie nicht eingesetzte(s/r) Saatgut, Dünger, Maschinen etc.
  • Kosten für die Anlage der Maßnahmen, z. B. für Blühmischungen oder Untersaaten sowie zusätzlich benötigte Maschinen
  • Transaktionskosten für den Aufwand, der mit der Umsetzung einer Maßnahme verbunden ist, z.B. Kosten für den zeitlichen Aufwand der Antragstellung und die Unterstützung von Monitoring und Kontrolle. Die Höhe der Transaktionskosten entspricht den entsprechenden Vorgaben der Europäischen Union bzw. der Förderprogramme der Bundesländer.

Die Berechnung der Maßnahmen sieht wie folgt aus:


 
Die Kosten für ein und dieselbe Maßnahme können stark variieren – je nach Region, Standort und Boden, angebauter Kultur, Maschinenkosten etc.  Daher erfolgt die Berechnung jeweils für den einzelnen Betrieb.

Indem die Kosten und der ökologische Nutzen der Maßnahmen ins Verhältnis zueinander gesetzt werden, können die effizientesten Maßnahmen selektiert und für zukünftige Förderprogramme vorgeschlagen werden. Hierbei werden auch die öffentlichen Transaktionskosten berücksichtigt - also jene Kosten, die z. B. bei der Antragstellung und Auszahlung, der Beratung sowie bei Vor-Ort-Kontrollen entstehen.

Hier erhalten Sie die Berechnung der Maßnahmenentgelte.

Rahmenbedingungen zur Übertragung der Maßnahmen auf andere Betriebe

Die erfolgreich erprobten Maßnahmen sollen über das Netzwerk der Demonstrationsbetriebe hinaus verbreitet werden und möglichst viele Landwirte zur Nachahmung anregen. Insbesondere das regionale Umfeld der Betriebe ist hierbei zu betrachten. Zum einen wirtschaften umliegende Betriebe unter ähnlichen Voraussetzungen und Rahmenbedingungen, zum anderen werden die Demonstrationsbetriebe durch ihre Umgebung beeinflusst, etwa durch die Nachfrage nach Bauland oder durch Pachtpreise. Somit ist gerade in den Projektregionen eine hohe Nachahmungsrate zu vermuten. Diese regionalen Einflüsse gilt es zu erkennen, um eine erfolgreiche Maßnahmenübertragung auf andere Betriebe der Region zu ermöglichen. Die dafür benötigten Informationen werden u. a. über Befragungen mit regionalen Experten aus Verwaltung, Beratung und von Verbänden eingeholt.

Neben den regionalen Rahmenbedingungen ist auch der mit den Maßnahmen entstehende Verwaltungsaufwand für die Landwirte entscheidend. So sollte der administrative Aufwand bei der Umsetzung von Naturschutzmaßnahmen in Grenzen gehalten werden. Auch hier setzt F.R.A.N.Z. an und untersucht, wie die Maßnahmen effizient und dennoch wirksam umgesetzt werden können.

Entwicklung von Förder- und Beratungsansätzen

Die Ergebnisse aus den oben genannten betriebswirtschaftlichen, regionalen und administrativen Untersuchungen sollen letztendlich genutzt werden, um Vorschläge für neue Förderansätze zu entwickeln. Diese sollen wichtige Impulse für die künftige Ausgestaltung der länderspezifischen Agrarumweltprogramme sowie der europäischen Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) liefern. Ferner ist geplant, auf der Grundlage der sozio-ökonomischen Forschungsergebnisse ein neues Konzept für die Naturschutzberatung zu entwickeln und zu erproben.